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Fiktionale Texte

Linstows Geheimnis. Kriminalroman
Norderstedt: BoD 2014, 192 Seiten, 11,90 Euro
E-Book: Kindle Edition 2012, 4,99 Euro

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Göhren auf Rügen: Mitte März beginnt für die Empfangssekretärin Anna Schwanitz die vierte Saison im Seehotel. Sie ist glücklich: Im Mai wird sie den Direktionsassistenten Frank Pannwitt heiraten und mit ihm die Leitung des Hotels übernehmen. Der Mord an einer jungen Frau, die Gast des Hotels war, scheint diese Pläne nicht zu gefährden. Doch dann erfährt Anna, dass der Übernahmevertrag für das Hotel geplatzt ist, weil Frank die Abstandssumme nicht gezahlt hat – sein Konto ist leer. Schließlich geraten er und andere Angestellte ins Fadenkreuz der polizeilichen Ermittlungen. Und Anna wird immer mehr zur Detektivin wider Willen ...

  • Rügenroman mit viel Lokalkolorit
  • Sympathische Hotelangestellte als Ermittlerin
  • Softkrimi und Liebesgeschichte
  • Ideale Strandkorblektüre
  • Für Ostseefans, Weinliebhaber und Feinschmecker
  • Schauplätze: Göhren, Baabe, Sellin, Lobbe
   
Leseprobe

Das Wetter hatte schon wieder gewechselt. Der Wind trieb Regen vor sich her, der den Schnee zum Schmelzen brachte. Das Meer rauschte schäumend über die Steine. Doch in Annas Kopf schien die Sonne. Glenn Millers Swing kribbelte noch in den Beinen und machte das Laufen leicht. Im Kopf fuhr ein einziger Gedanke Karussell: Er liebt mich, er liebt mich, er liebt mich.
Die Konturen des Lobber Hakens verschwammen hinter einem Regenschleier. Beim Näherkommen bemerkte sie einen roten Fleck im Abbruch. Was mochte das sein? Auf jeden Fall etwas, das gestern noch nicht an dieser Stelle gelegen hatte. Oder vom Schnee verdeckt worden war. Genau dort war die Erdpyramide zusammengestürzt. Sie behielt das Rot im Blick. Irgendwann begann eine Alarmglocke tonlos zu schrillen, ließ den Swing verstummen, stoppte den kreiselnden Gedanken und signalisierte statt dessen – ja was eigentlich? Unruhe? Angst? Plastikschrott könnte es sein ... eine leere Coladose ... Warum kam sie nur so langsam voran? Grober Kies bremste ihren Lauf. Rot ... Himbeerrot ... – nah, noch näher - jetzt hatte Anna die Stelle erreicht. Zwischen Lehmbrocken und Schneeresten schimmerte ein Stück schmutziger, himbeerroter Stoff. Anna versuchte ihn hervorzuziehen, vergeblich. Der Lehm klebte zäh am Gewebe und an den Händen.
Abrupt drehte sie sich um und lief, nein rannte zurück. Da war kein Wissen, nichts. Nur ein Gefühl trieb sie vorwärts. Außer Atem und völlig durchnässt erreichte sie das Hotel, stolperte an die Rezeption und tippte mit lehmverkrusteten Fingern die Nummer von Linstows Zimmer. Lehmann kam aus dem Büro und starrte sie an. Erst als Anna Linstows verschlafene Stimme hörte, wurde ihr bewusst, wie peinlich war, was sie gerade tat. »Entschuldigen Sie bitte die Störung«, stotterte sie, noch immer japsend. »Ist Ihre Tochter da?«
»Ob meine Tochter hier ist?«, knurrte Linstow. »Ich wüsste nicht, was Sie das angeht.«
Nein natürlich, das ging sie überhaupt nichts an. Annas Kopf war leer. Ihr fiel keine Ausrede ein. Neben den Schuhen bildete sich eine Pfütze.
»Aber wenn es Sie beruhigt, meine Tochter Vivien musste für ein paar Tage nach Hamburg fahren.« Linstow war ungehalten, das merkte man seiner Stimme an. Während Anna noch nach einer Entschuldigung suchte, hatte er bereits wieder aufgelegt.
»Was sollte das denn werden?« Neumann starrte sie noch immer an. »Sie können doch nicht einen Gast wie Linstow mit einer derart indiskreten Frage aus dem Schlaf reißen«. Er strich die noch nicht mit Pomade gebändigten Haarsträhnen zurück, sie fielen ihm sofort wieder in die Stirn. Anna versuchte, die Gedankenfetzen, die durch ihren Kopf schwirrten, zu sortieren.
»Der rote Anorak«, sagte sie zu Neumann. »Sie trug doch immer diesen himbeerroten Anorak«.
»Wer?«
»Na, Flöckchen. Ich meine Vivien Linstow. Sie kam mir morgens beim Joggen entgegen. Und sie hatte immer einen himbeerroten Anorak an.«
»Und warum müssen Sie deshalb den Vater stören?« Neumanns Stimme verriet, dass er allmählich ungeduldig wurde.
»Heute morgen, am Lobber Haken, unter dem abgestürzten Steilufer lag ein Stück Stoff, ein himbeerrotes.« Sie wischte sich mit der Hand über die Stirn.
»Und was schließen Sie daraus?«
Ehe sich Anna noch recht bewusst machen konnte, was sie tatsächlich aus dieser Entdeckung schloss, kam Frank an den Empfang.
»Wie siehst du denn aus?«, fragte er entsetzt.
Anna blickte in den Spiegel im Foyer. Ihre Joggingsachen waren mit Lehm beschmiert, über die Stirn zogen sich schlammige Streifen aus Erde, Schweiß und Regen, ihre Wangen glühten, die nassen Haare klebten am Kopf.
»Sie glaubt, ein Gast sei von der Steilküste begraben worden«, sagte Neumann zu Frank in einem Ton, der deutlich machte, wie sehr er am Wahrheitsgehalt dieser Aussage zweifelte. (top)