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Sachbücher

»Wenn doch dies Elend ein Ende hätte«
Ein Briefwechsel aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71
Bearbeitet und hrsg. von Isa Schikorsky. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 1999
(Selbstzeugnisse der Neuzeit Bd. 7). 187 Seiten, 34,50 Euro

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Der Briefwechsel von Albert und Friederike Böhme aus Braunschweig zeigt den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nicht Generäle, Politiker oder Offiziere kommen zu Wort, sondern ein einfacher Soldat, Tischlergeselle im Zivilberuf, und seine junge Ehefrau. Friederike Böhmes Briefe spiegeln das private und städtische Alltagsleben in Braunschweig in vielen farbigen Facetten. Ihr Mann Albert schildert seine Erlebnisse als Soldat des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 in Frankreich. Am exemplarischen Einzelfall lassen sich Aufschlüsse über Lebensweisen, Handlungsmotive und Einstellungen, aber auch über das Denken und Fühlen ›kleiner Leute‹ in der besonderen Situation des Krieges gewinnen. Die Briefe geben deutlich andere Auskünfte als die traditionelle Militärgeschichtsschreibung und teilweise auch als die empirische Sozialgeschichte.
Der Briefwechsel befindet sich im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel
(Signatur 276 N, Nr. 8 und Nr.9)

   
Aus Rezensionen

»Die Sammlung überzeugt nicht nur durch die sorgfältige Edition der Briefe und ein gründliches Vorwort, sondern auch dadurch, dass Sch. die Briefe gelegentlich mit Tagesbefehlen oder Schilderungen der offiziellen Regimentsgeschichte kontrastiert, wodurch der Unterschied zwischen dem Realismus des einfachen Mannes und der pathetischen Überhöhung sehr deutlich wird.«
Thomas Lange (Archiv für hessische Geschichte 58, 2000, 405)

»Der Herausgeberin gebührt das große Verdienst, durch eine subtile Aufbereitung der sicherlich über weite Strecken relativ monoton und trocken wirkenden Materialien diesem Briefwechsel eine gleichsam höhere Wertigkeit verliehen zu haben.«
Manfred R.W. Garzmann (Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 72, 2000, 374)

   
Leseprobe
19. August 1870 – Albert Böhme an Friederike Böhme
St. Briwat den 19 August 1870. Morgens
Innigst Geliebte Gattin!
Mit schweren Herzen schreibe ich Dier diesen Brief Ich muß Dier benachrichtigen wir sind an 16 August und 18 August vorn Feind ins Feuer gewesen Gott sei Dank Wilhelm u Ich wir sind noch jetzt Unfersehrt geblieben, aber viele viele Todte u Verwundete von unsern Kammeraden H Haars auch am Kopfe, was uns Liebe Friederike noch zugedacht ist das weiß Gott der diese beiden Schlachten Gesiegt hat über den Franzosen die erste war bei Trionvil die andere hier wo das Dorf mit Granaten in Brand geschoßen ist. Es sind viele Franzosen Gefangen genommen u zur Deutschen Festung geführt, Eine Frau hier im Dorfe hat 3 Sächsische Verwundete Officire den Hals Abgeschnitten u mehrere die Augen ausgestochen sie ist gebunden und Gepeinigt. hiermit muß ich schließen die Briefe sollen fort. es geht hier Mörderlich her in Frankreich //15v// Es grüßt Dich u küßt Dich Dein treuer Gatte bis in den Todt Albert/ An meinen u Deine Elter Herzliche Grüße an die Eltern, Tante Geschwister u Bekanten bis aufs Wiedersehn. Eine Französische Fahne Erobert. – Lebe wohl immer Gretchen bis in den Todt aufs Wiedersehn

25. August 1870 – Friederike Böhme an Albert Böhme
Braunschweig den 25ten August 1870.
Mein Innigstgeliebter Gatte!
Deinen lieben Brief von 15ten dieses Monats so wie den von 10ten habe ich erhalten und mich gefreut das Du noch immer Wohl und Munter bist. Lieber Albert mach es Gott geben das Du Wohlbehalten aus den Schlagtgewühl heraus gekommen bist, hier in Braunschweig wird viel über Euch gesprochen und so verschieden das es zum verrückt werden ist. Mein lieber Albert die Leute haben sogar erzählt der eine von Euch Brüdern sei schon Unterwegs gestorben und Wilhelm hätte bei der 12 Stündigen Schlagt drei Schüsse bekommen und sei todt wir haben uns gleich danach erkundigt aber es konte uns keiner Nachricht geben denn von den gefallenen Mannschaften ist noch keine Lieste nach Braunschweig gekommen. //7v// Lieber Albert hier in Braunschweig wird ein jeder Bürger ersucht ob er nicht ein paar Kranke ins Haus nehmen kann denn es kommen jeden Tag viele Verwundete wo manchmals auch ein Braunschweiger bei ist diesen letzten Sonabend sind wir bis die Nacht um 2 Uhr auf den Bahnhofe gewesen denn es solten Verwundete von den Braunschweigern kommen und da hieß es wieder den Sontagmorgen und wir gingen alle wieder hin und als der Zug kam da wahren es lauter Preußen nun heißt es wieder diesen Freitag oder Sonabend. Mein lieber Albert ich wolte lieber Du kämst als Verwundeter hier her als das Du dahinten erschossen würdest und ich könte dich dann nie wieder sehen der Kummer wäre doch zu groß für mich ich glaube nicht das ich es lange überleben könte und es auch garnicht überleben möchte //8r// den solte ich Dich mein Albert nicht wieder sehen dann könte mir nichts willkommneres sein als der (Todt) aber mein Albert noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben und denke immer ich sehe Dich bald wieder und ruhest bald in meinen Armer von allen Strabazen aus. Lieber Albert ich habe den Brief an Deine Eltern abgegeben und habe auch jeden Brief den ich bekommen habe, Deine Eltern lesen lassen und bin auch jeden Sontag mit Antonie bei Deinen Eltern. Hiermit will ich schließen in der Hoffnung das Du noch munter bist wie ich es auch bin und wir alle. Verbleibe ich Deine Dich treuliebende Gattin Friederike von Dir nur Gretchen genant./ viele Grüße von meiner Mutter Geschwister u. Tanten und von Deinen Eltern u Geschwister
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