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Sachbücher

Private Schriftlichkeit im 19. Jahrhundert
Untersuchungen zur Geschichte des alltäglichen Sprachverhaltens ›kleiner Leute‹
Tübingen: Niemeyer 1990 (Reihe Germanistische Linguistik 107). 496 Seiten, 30 Euro

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Inhalt Rezensionen

   

Die Arbeit versteht sich als Beitrag zu einer Sprachgeschichte des Alltags. Erstmals basiert eine sprachgeschichtliche Darstellung auf privaten Texten von so genannten ›kleinen Leuten‹. Tagebücher, Briefe, Lebenserinnerungen und Chroniken, die Bauern, Handwerker und Kleinbürger zwischen 1802 und 1905 verfassten, werden einer detaillierten Textanalyse unterzogen und ausschnittweise in einem Quellenanhang dokumentiert.
In integrativer Weise werden qualitative, quantitative und kontrastive Analyseverfahren miteinander verbunden sowie situative, soziale, temporale und regionale Faktoren berücksichtigt. Die Beschreibung der textuellen Varianz erfolgt auf allen Sprachebenen, also sowohl auf der pragmatischen als auch auf der semantisch-textuellen, der lexikalisch-stilistischen und der grammatisch-orthografischen.
Wesentliches Kennzeichen der privaten Schriftlichkeit ›kleiner Leute‹ ist eine Zwischenstellung zwischen angepasster oder auch hyperkorrekter Bildungssprache und dialektalem oder umgangssprachlichem Alltagsstil. Im historischen Längsschnitt ist eine zunehmende Komplexität schriftsprachlicher Ausdrucksfähigkeit zu bemerken: Die Entwicklung verläuft von einer Phase der Orientierung im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts über eine des Experimentierens in der Jahrhundertmitte bis hin zur Stabilisierung des Wissens um schriftsprachliche Normen und Konventionen am Ende des 19. Jahrhunderts.
Zielgruppen des Bandes sind Germanisten, insbesondere Sprachhistoriker, und Historiker.

   

Inhalt

 

 

 

I. Allgemeiner Teil
1. Einleitung
2. Der Untersuchungsansatz: Sprache im historischen Kontext des 19. Jhdts.
3. Die Untersuchungsaspekte: Formen und Funktionen textueller Varianz
4. Der Untersuchungsgegenstand: Schriftliche Privattexte

II. Analyseteil
5. Der situative Kontext: Schreiben »Trotz alledem«
5.1 Rahmenbedingungen des Schreibens
5.2 Schreibanlässe
5.2.1 Reisen als Schreibanlaß
5.2.2 Alltag als Schreibanlaß
6. Pragmatische Varianz: Schreiben für sich und andere
6.1 Kommunikative und nicht-kommunikative Orientierung
6.2 Schreibintentionen
6.2.1 Interpersonale Grundintentionen
6.2.2 Intertemporale Grundintentionen
7. Semantisch-textuelle Varianz: Außenwelt und Innenwelt
7.1 Aspekte der Verfasserweltsicht
7.2 Thematische Leitlinien
7.2.1 Selbstreferenz und Fremdreferenz
7.2.2 Semantische Bezugsebenen
7.3 Schreibperspektiven
7.4 Darstellungsarten
8. Lexikalisch-stilistische Varianz: Verbergen und Betonen
8.1 Themenbezogene Variation
8.2 Ausdrucksvariation
8.3 Alltagsstil und Bildungsstil
9. Grammatisch-orthographische Varianz: Tradition und Innovation
9.1 Aspekte schriftsprachlichen Wandels
9.1.1 Orthographische Normierung und Schreibgebrauch
9.1.2 Morphologisch-syntaktische Variation und Bewertung
9.1.3 Textartenspezifische Syntaxmerkmale: Verknappung und Komplexität
9.2 Gesprochene Sprache und Schreibgebrauch
9.2.1 Phonetisch-orthographische Variation
9.2.2 Morphologisch-syntaktische Besonderheiten
10. Zusammenfassung: Anpassung oder Abgrenzung?
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Aus Rezensionen
»Das Versprechen, Pragmatik mit viel Sprachmaterial zu betreiben, wird in dieser Arbeit erfreulicherweise eingelöst.«
Anne Betten (Germanistik 32, 1991, 338)

»Das den Untersuchungen zugrunde gelegte Konzept der pragmatischen Linguistik ist tragfähig [...]. Es konnten wesentliche Erkenntnisse über bisher noch wenig oder gar nicht erforschtes Schrifttum aus dem 19. Jahrhundert gewonnen werden, die bei Anwendung von Methoden traditioneller Sprachgeschichtsforschung nicht möglich gewesen wären. Insofern hat diese Monographie für weitere Arbeiten an einer pragmatischen Sprachgeschichte des Deutschen Modellcharakter.«
Joachim Schildt (Deutsche Literaturzeitung 113, 1992, 1/2, 45)

»Mit der vorliegenden Arbeit ist ein wichtiges und bisher weitgehend vernachlässigtes sprachgeschichtliches Thema angegangen worden, das zugleich auch sozialgeschichtliche Fragestellungen berührt. Es ist das Verdienst der Verfasserin, trotz der schwierigen Quellenlage [...] zu schon beachtlichen Resultaten gelangt zu sein, die durch weitere Forschungen auf diesem Gebiet noch erhärtet bzw. weiter differenziert werden müßten. Insofern kommt der Arbeit eine besondere initiative Funktion zu.«
Klaus Schumacher (Der Archivar 45, 1992, 481)
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