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Fiktionale Texte

Abt Jerusalem und die Hohe Schule des Todes
Historischer Braunschweigkrimi
Leer: Leda Verlag, 2009, 236 Seiten, 9,90 Euro

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Braunschweig zur Zeit der Wintermesse 1754: Am Collegium Carolinum, der Hohen Schule des Herzogtums, spukt es. Für den Direktor, Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, eine peinliche Angelegenheit, hat sich doch die Institution dem Prinzip des vernünftigen Denkens und Handelns verschrieben. Noch misslicher ist die Lage, weil zugleich der Hauswärter tot aufgefunden wird. Hat das Gespenst ihn ermordet?
Jerusalem versucht, den Fall zu vertuschen – vergeblich. Das Carolinum wird zum Gespött des gelehrten Deutschlands.

»Abt Jerusalem und die Hohe Schule des Todes« führt in die Epoche des Rokoko, an die Schwelle des Zeitalters der Aufklärung und zu den Anfängen der Braunschweiger Universität. Die Handlung thematisiert den Widerstreit zwischen Gespensterglauben und rationalem Denken, kreist um Intrigen und Rachegelüste, verknüpft historische Fakten, Geschehnisse und Biografien mit Fiktionalem.

   
Aus Rezensionen »Der Braunschweigkrimi von Isa Schikorsky bietet ein spannendes Lesevergnügen. Sie schreibt in ungemein farbigen und lebendigen Bildern. [...] Ein unterhaltsamer, historischer Krimi mit allem, was das Leserherz begehrt: Liebesleid, Maskenball, Saufgelage, Mord und Intrige. Die Autorin [...] vermittelt nebenbei auf spielerische Weise literaturgeschichtliche und historische Kenntnisse. Echte Braunschweiger und Krimifreunde aller Orten werden ihren Spaß an der schaurig-schönen Geisterstunde in Braunschweig haben!«
(Jasmin Wurzer, Literaturjournal Lesart, Heft 4, 2009)

»... ein spannendes kleines Buch, das beste Unterhaltung bietet. Auf rund 230 Seiten ist der Kriminalfall ohne nennenswerte Längen in einer lebendigen Sprache erzählt und gelöst.« (Thorsten Sauer, Krimi-Couch, Februar 2010. Gesamte Rezension hier ...)

   

Leseprobe



Bis zum Carolinum waren es nur wenige Schritte. Hofmeister Zachariä marschierte mit der Laterne vorweg, Fritz und fünf seiner Kommilitonen folgten nach. Der Nachtwächter ließ sie passieren. Durch die Vorhalle und den Flur vor den Auditorien erreichten sie den Laubengang, der zu den Stuben im hinteren Trakt führte. Plötzlich schrie Zachariä auf. Er blieb so unvermittelt stehen, dass Fritz beinahe gegen seinen Rücken geprallt wäre. Fritz machte einen Schritt zur Seite und dann sah auch er, was der Hofmeister gesehen hatte: Am Ende des Hofes stand eine Gestalt. Der grüne Schlafrock, die weiße Gesichtslarve und die weiße Nachtmütze leuchteten im Schein der Fackel, die die Gestalt in der Hand hielt. Fritz spürte, wie sich die Härchen an seinen Armen aufstellten, ein Eisschauer raste sein Rückgrat hinunter. Er spürte den schnellen Atem der anderen im Nacken, doch als er sich umdrehte, waren sie schon in den Laubengang zurückgewichen, wo sie sich eng aneinanderdrängten und starrten. Zachariä hatte sich inzwischen darauf besonnen, dass er die jungen Herren beschützen sollte. Er riss die Laterne hoch und trabte zögernd los. Doch die Gestalt war fort. Nur die Fackel flackerte im Schnee weiter.
Fritz wurde unbeschreiblich wütend. Wer war dieser Possenreißer, der sich einen Scherz mit dem Carolinum erlaubte und alle in Angst versetzte? Er rannte Zachariä hinterher, hatte ihn bald erreicht und überholt. Beim Laufen spähte Fritz angestrengt, aber die Gestalt war in dem Durchgang, der zum Abtritt führte, verschwunden. Kurz bevor er die Fackel erreichte, hemmte etwas Weiches seinen Lauf. Fritz sah nach unten. Ein unförmiges Lumpenbündel lag dort. Zachariä kam heran und richtete die Laterne darauf. Jetzt war es Fritz, der schrie und schrie und schrie.
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  Fotos: Literarischer Spaziergang zu den Schauplätzen des Krimis während des Braunschweiger Krimifestivals 2009 (oben).
Lesung in der Universitätsbibliothek der TU während des Braunschweiger Krimifestivals 2009 (unten, © Zanger-Spinn, Buchhandlung Graff)