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Fiktionale Texte

Wer ohne Schuld ist. Ein Rügen-Krimi
Berlin: Midnight by Ullstein 2018, 238 Seiten,
Taschenbuch
12,00 Euro; E-Book: 3,99 Euro

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Hoteldirektorin Anna Schwanitz will das Grandhotel »Bellevue« auf Rügen bis zum Ende der Saison aus den roten Zahlen bringen. Doch dann ertrinkt einer der alteingesessenen Hoteliers beim traditionellen Anbaden in der eiskalten Ostsee. Kurz darauf stürzt unter mysteriösen Umständen die Journalistin Mia Rösler von der Dachterrasse des Hotels. Wurde sie gestoßen, weil sie zu tief in der totgeschwiegenen Geschichte gegraben hat? Die Berichterstattung ist für das Hotel verheerend. Anna sieht nur noch eine Chance, die Insolvenz zu verhindern: Sie muss schneller sein als die Kripo und den Fall selbst aufklären. Bei ihren Recherchen stößt sie auf die Ergebnisse von Mia Rösler. Haben die tragischen Ereignisse der »Aktion Rose« im Februar 1953 etwas mit den Todesfällen zu tun?
Anna Schwanitz’ zweiter Fall handelt von Unrecht, Verrat und Schuld. Und von einer Vergangenheit, die einfach nicht vergehen will.

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Leseprobe

Anna stützte die Hände am Beckenrand ab und stemmte sich aus dem Pool. Wassertropfen perlten an Armen und Beinen hinab. Sie griff zum Handtuch, rubbelte sich trocken, angelte nach den Frotteeschlappen und schlüpfte in den weißen Hotelbademantel mit dem aufgestickten blauen Logo: einem geschwungenen »B« für »Bellevue« über einer stilisierten Welle. Während sie über die Holzplanken zum Rand der Dachterrasse ging, winkte sie Kojo zu, der am anderen Ende die Sonnenschirme aufspannte. Ihren Gruß erwiderte er mit breitem Grinsen. Nadine wünschte sie ebenfalls Guten Morgen und fragte, ob im Wellnessbereich alles in Ordnung sei.
»Alles okay«, bestätigte Nadine lächelnd und verteilte weiter gerollte Flauschdecken auf die Ruheliegen. Sie plauderten noch einen Moment über das Wetter, dann setzte Anna ihren Weg fort. Sie rückte hier ein Polster, dort einen Sessel gerade, strich Leinenbezüge glatt und kontrollierte den Getränkevorrat der Poolbar. Ein Beistelltischchen aus Teakholz, das jemand direkt an der Brüstung platziert hatte, schob sie zurück an die richtige Stelle.
Am Geländer beugte sie sich vor, um drei Stockwerke tiefer die autofreie Promenade von Puthagen sehen zu können, die zu dieser frühen Morgenstunde ziemlich verlassen dalag. Nur einzelne Jogger, Hundebesitzer, die mit ihren Vierbeinern Gassi gingen, erste Urlauber mit Brötchentüten und zwei Mitarbeiter der Kurverwaltung, die Papierkörbe leerten und das Pflaster fegten, waren unterwegs.
Anna hob den Kopf und ließ den Blick schweifen. Wie ein riesiger blaugrüner Teppich lag die Ostsee vor ihr. Die aufgehende Sonne streifte weit hinten den Buchenwald auf dem Steilufer der Granitz und setzte dem Wellengekräusel Glanzlichter auf. Ein Frachtschiff glitt die Horizontlinie entlang. Anna meinte, den würzigen Duft der Krüppelkiefern auf dem Dünengürtel zu riechen, die der Sturm bizarr geformt hatte. Eine Windböe strich über ihr Gesicht.
Was für ein wundervoller Platz! Wenn sie hier oben stand, in der halben Stunde, die sie ihrem Terminkalender morgens abtrotzte, wurde ihr bewusst, wie sehr Rügen sie faszinierte. Was für ein Riesenglück, leben und arbeiten zu dürfen, wo andere Urlaub machten. Dieses Glück werde ich festhalten, schwor sie sich. Um jeden Preis. Für immer.
Mit den Fingerkuppen betastete sie den Handlauf aus Holz, er fühlte sich warm und lebendig an. Sie schloss die Augen, hielt den Kopf der Sonne entgegen und spürte das Blut hinter den Lidern pulsieren. Nur gedämpft waren das Tschilpen der Spatzen und Möwenschreie zu hören. Dazwischen schabte eine Harke, Mülltüten knisterten, Nadine summte und das Wasser des Pools plätscherte.
Anna genoss diese Morgenstimmung der leisen Töne. Es war ihr ganz persönliches Ritual, sich auf den Arbeitstag vorzubereiten. Allmählich drängelten sich die heutigen Termine ins Bewusstsein: die Abrechnungen für April, das Anbaden am Nachmittag, das Treffen …
»Schön, nicht wahr?«

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Buchtrailer

https://youtu.be/31sutb0n1Dg